Hochsee-Fischzucht unter dem Windrad
27.07.2010, 12:43 Uhr
bremerhaven. Prof. Dr. Bela Buck und seine Kollegen haben die Fische zunächst zurückgestellt. Doch dann kam ein Anruf: „Können Sie nicht...?“ Wir können, sagten sich die Aquakultur-Experten und starten im August ein Projekt, in dem die Fischzucht unter Offshore-Windkraftanlagen untersucht wird. Von Ursel Kikker
Die Wissenschaftler haben bereits gezeigt, dass sich an die riesigen Windräder eine Muschel- oder Algenzucht anhängen lässt. „Aber Fische sind eine ganz andere Herausforderung“, sagt Buck. Nur einer der Gründe dafür: Die Tiere müssen gefüttert werden. In dem auf eineinhalb Jahre angelegten Projekt, das beim Institut Imare angesiedelt ist und vom Bundesumweltministerium gefördert wird, machen sich Buck und seine Mitstreiter nun auf die Suche nach dem optimalen Fisch und dem optimalen Käfig.

Mit ins Boot geholt haben sie das Unternehmen Bard Engineering, das Windkraftanlagen auf Tripiles stellt – eine Gründungsstruktur mit drei riesigen Röhren, die über einen Ring verbunden sind. „Dadurch wird ein großes Volumen aufgespannt“, erklärt der Projektleiter. Darunter lasse sich ein stattlicher Käfig platzieren. Zweiter Vorteil: die bemannte Plattform, von der aus sich die Aquakulturanlage betreuen lässt.


Fischerei ist interessiert
Doch wie sieht er aus, der optimale Käfig? Buck und sein Team haben verschiedene Ideen, und das Franzius-Institut und das Institut für Stahlbau in Hannover werden helfen, die beste Konstruktion zu finden. Tripile und Käfig werden im Maßstab 1:20 für Tests im Strömungskanal von Franzius nachgebaut.

Dort sollen auch die ausgeguckten Fische eingesetzt werden. Doch welcher ist der Beste? „Alle Welt möchte Kabeljau züchten“, sagt der Biologe. Doch vom Ei bis zum erntefähigen Fisch sei es ein schwieriger Weg, und der Kabeljau verkrafte es nicht, mit dem Käfig hoch- und runter gehievt zu werden. Darum scheiden auch andere Arten aus. Neben der Biologie stellt sich die Frage: Was will der Markt? Das soll das Johann Heinrich von Thünen-Institut ausloten.

Besonders interessiert an den Ergebnissen ist die Kutterfisch GmbH in Cuxhaven, die das Projekt mit angeschoben hat. Denn mit den Offshore-Windparks tun sich neue Perspektiven auf: sei es, dass die Fischer ihre Schiffe für Servicearbeiten einsetzen, sei es, dass sie in die Aquakultur einsteigen. Buck: „Die zukünftigen Farmer könnten von Kutterfisch sein.“ Weitere Partmer sind Frosta als Fischverarbeiter und der Energieversorger EWE, weil bei dem Projekt auch Algen getestet werden, mit denen sich Biogasanlagen füttern lassen.

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch



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